SKC Radio (photo: Martin Bichsel).

Vom Turbo-Folk der Mafia zum Polit-Rap des Untergrunds

Vier Jahre nach dem Sturz von Milosevic zeigt die junge Belgrader Musikszene unterschiedliche Seiten. Während das ehemalige Oppositions-Radio B92 vor allem nach Sponsoren sucht, parodiert eine junge Rapper-Generation die Mafia- und Macho-Gesellschaft des «nationalistischen» Turbo-Folks und knüpft überregionale Netzwerke. Die Roma-Musiker versuchen derweil, sich auf dem Weltmusikmarkt durchzusetzen.

Vom sumpfigen Belgrader Niemandsland kommen wir her, vom Roma-Partyschiff «Black Panther», am Ufer der Save. Unter Deck gab es «pivo domestik», Bier von hier, und dazu Akkordeon- und Synthesizer-Versionen von Stücken wie Dizzy Gillespies «A Night in Tunisia» oder Simon and Garfunkels «El Condor Pasa». Bis dann unser Sitznachbar, ein dubioser italienischer Handelsreisender, plötzlich seltsame Ranglisten herunterleiert: «Russland – Nummer eins; Serbien – Nummer zwei; Kroatien – Problema; Mazedonien – Problema.» Und dann: «Für einen Serben zählt erstens Herz, zweitens Freunde, drittens Geld.» Oder: «Erstens Tanzen, zweitens Frauen, drittens Bier.» Das reicht. Zeit für uns zu gehen.

Am Donauufer, gegenüber der Belgrader Burg, stehen wir am frühen Morgen endlich wieder auf festem Boden. Die Schuhe schlammverschmiert, die Socken nass. Es ist verdammt kalt. Ein paar Bier trinkende Teenager lungern herum. Und klären uns auf: Noch vor vier Jahren hätten sich hier die Mafia-Freunde von Slobodan Milosevic mit ihren Flittchen amüsiert, in den rund zwanzig beleuchteten Booten vor uns. Auch heute stehen teure Autos vor den wackligen Bootsstegen parkiert. Überlaut dröhnt Techno und Rock mit türkisch-arabischem Einschlag in die Flusslandschaft hinaus. In einigen Schiffen amüsieren sich Teens und Twens, in anderen die älteren Semester. Mit Silikon bewehrte Frauen produzieren sich in Leopardenkostümen und kurzen Jupes vor ihren saufenden Freunden. Mit gelangweilten Mienen heizen die Partymusiker ein; die Sängerin setzt auf gekünstelte Orientalismen und laszives Stöhnen. Mafia – ein Teil von Belgrad.

«Es ist hart, hier zu leben»

Seit dem 5. Oktober 2000 ist Slobodan Milosevic in Serbien nicht mehr an der Macht. Aus dem ganzen Land war die Bevölkerung an jenem denkwürdigen Tag nach Belgrad geströmt, um den ungeliebten Diktator zu stürzen. Bereits acht Jahre zuvor hatte die Opposition in der 2-Millionen-Stadt 840 000 Unterschriften zu seiner Absetzung gesammelt – ohne Erfolg. Viele junge Männer versteckten sich danach in fremden Häusern, um nicht in den Krieg eingezogen zu werden. Junge Intellektuelle und Künstler verliessen das Land oder wurden in ihrer «No Future»-Depression Opfer von Drogen, die in Belgrad leicht erhältlich waren. Heute fehlt die Generation der 30-Jährigen im städtischen Kulturleben weitgehend. Und viele der Gebliebenen wollen von Politik, etwa vom jüngsten Wahl-Hickhack, nichts mehr wissen. Gestiegen ist die Arbeitslosigkeit. «Es ist hart, hier zu leben», kommentiert der 24-jährige Rapper Bori Se alias MC Shorty: «Im Ausland gelten wir Serben als Killer. Dabei sind es die Politiker, die Kriege führen. Milosevic hat in den neunziger Jahren systematisch Kriminelle aus den Gefängnissen entlassen und in leitende Staatspositionen gehoben.» Shorty möchte Grafikdesign studieren und ein sogenannt normales Leben führen. Wie er mit seinen monatlichen 200 Euro die Kursgebühren bezahlen soll, weiss er nicht. «Ich lebe alleine in dieser verdammten Welt. Eigentlich sollte ich ins Ausland ziehen. Aber irgendwie brauche ich meine Stadt.»

Boat Clubs (photo: Martin Bichsel).

In den Kriegsjahren unter Milosevic (1990 bis 2000) agierten die Medien als verlängerter Arm des Regimes. Via Pink TV avancierte der sogenannte Turbo-Folk, der noch heute auf den Partybooten in einer Light-Form gespielt wird, zum medialen Ausdruck der Macho- und Mafia-Kultur Belgrads. Fast alle Starsängerinnen des Genres waren mit Mafiabossen liiert – was ihre Popularität nur steigerte. Svetlana «Ceca» Raznatovic, Königin des Genres, heiratete den berühmt-berüchtigten «Arkan», Kriegsverbrecher und Anführer der Tiger-Miliz. Nach der Ermordung des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic am 12. März letzten Jahres verbrachte die Starsängerin vier Monate hinter Gittern: Der Mordhauptverdächtige soll in ihrer Villa ein und aus gegangen sein.

Es ist elf Uhr. Im schicken Café Plato treffen wir Ksenija Stevanovic. Die Musikwissenschafterin sucht nach Erklärungen für den Turbo-Folk: «Mit Partymusik und Silikonbusen wurden unter Milosevic Gefühle einer heilen Welt produziert», erzählt sie. «Das Motto: Wir Serben habens gut. Was kümmert uns der Rest der Welt.» In den Kriegsjahren seien die mafiösen Neureichen die Einzigen mit Geld gewesen: «So zwängten sich junge Serbinnen in engste und kürzeste Kleidchen, schmierten zu viel Make-up ins Gesicht und schmissen sich an die Ganoven ran.» Meistens wurde in den Turbo-Folk-Songs die Liebe besungen. Ab und an mussten sich Europäer und Amerikaner in den Gesangstexten als Faschisten bezeichnen lassen. Und immer wieder sollte die serbische Armee zu Heldentaten angestachelt werden. Noch nach dem Sturz Milosevics brachte eine Band namens Srpski Talibani eine Kassette in Umlauf, auf der die Anschläge vom 11. September 2001 glorifiziert und Carla Del Ponte sowie der Haager Gerichtshof abgekanzelt wurden. Heute aber wolle der Turbo-Folk sein nationalistisches Image los werden, erzählt Stevanovic. Die Musik klinge stärker nach MTV und weniger orientalisch: «Stars wie Jelena Karleusa, in den Neunzigerjahren Partnerin eines bekannten Drogendealers und Autoschmugglers, produzieren heute aufwändige internationale Alben und finden auch in Bosnien und Kroatien ein Publikum. Ihr künstliches Aussehen hat Karleusa gar zum Kultobjekt der Homosexuellenszene werden lassen.» Stevanovic lacht – und fügt sogleich hinzu, dass der Turbo-Folk heute bei vielen Zwanzigjährigen äusserst beliebt sei. «Diese Kids waren nie im Ausland. Sie saugen mit dieser Musik zweifelhafte Werte auf. Bedenklich.»

Ein Besuch im Glastempel von City Records, dem Musiklabel von Pink TV, bestätigt die Aussagen von Stevanovic: Turbo-Folk ist aus dem Katalog gestrichen. Statt dessen werden geschliffener Retortenpop sowie Techno-, Trance- und Kommerzialrock-Ware auf CD gebrannt. Unter Vertrag stehen neu die grossen Stars aus Kroatien, Bosnien und Mazedonien. Ihre CDs sollen in Belgrad bis zu 100 000 Mal über den Ladentisch gehen. Für ihre Produkte scheinen die beiden Talentspäher des Labels, Aleksandar Pavic und Goran Tomanovic, allerdings wenig Feuer gefangen zu haben. Tomanovic, früher Leader einer populären Underground-Rockband, macht hier, wie er sagt, bloss seinen Job: «Damit verdiene ich den Lebensunterhalt: für mich und meine kleine Tochter.»

Die alternative Musikszene

Am späten Abend setzt ein Sturm ein. Wir sind auf dem Weg zurück ins Stadtzentrum. In einem kalten Übungskeller schreien die beiden Frauen der Gruppe E-Play so laut ins Mikrofon, als wollten sie allen Frust ihres Belgrader Lebens auf einmal loswerden – ein lauter Protest gegen den Kitsch des Turbo-Folks. In der Nähe des Übungskellers steht Klub neben Klub. Im Akademija, einem Underground-Kultklub der achtziger Jahre, klingen abstrakte elektronische Sounds und Beats durchs dunkle, unterirdische Labyrinth. Gleich gegenüber, im «Basement», tanzt die Partygemeinde zu einem Verschnitt aus Retro-Techno und Alternativ-Rock. Schräg vis-a-vis wiederum spielt eine Jazzrock-Combo, derweil im «Anderground», in den Katakomben der Weissen Burg, Punks und Popper zu stampfendem Techno ihre Glieder verrenken und ein Show-Friseur auf einem violett ausgeleuchteten Podium Haare schneidet.

Belgrads alternative Musikszene gilt als legendär. Rockgruppen wie Eyesburn, Darkwood Dub, Jarboli, Block Out, Flip Out, Elektronikkünstler wie Belgradyard Sound System und DJs wie Marco Nastic und Bojan Mitrovic haben nichts mit Turbo-Folk am Hut. Ihr wichtigster Partner bleibt bis heute die Radiostation B92. Viermal war der Oppositionssender in den neunziger Jahren verboten worden, und doch rief er im Oktober 2000 mit zu jener Demonstration auf, die Milosevic stürzen sollte. Mit dem anschliessenden Abzug zahlreicher internationaler Friedens- und Medienorganisationen verlor der Sender jedoch wichtige Geldgeber; heute muss er sich neu vermarkten. Mittlerweile verfügt B92 über einen eigenen TV-Kanal, ein Musiklabel und einen Internet-Provider. «Früher kämpften wir gegen das Regime, heute für Sponsorengelder», fasst das B92-Urgestein Gordan Paunovic die jüngsten Entwicklungen zusammen. Der Sender, der seit 1989 mit nationalem und internationalem Indie-Rock, Punk, New Wave und Hip-Hop schockierte, ist in den letzten Jahren gefälliger geworden. «Am Tag läuft eine Play-List. Speziellere Sounds gibt’s bloss noch am Abend. Darum arbeite ich auch hier nicht mehr als Musikredaktor», sagt Paunovic.

Hip-Hop parodiert Turbo-Folk

Die Musikergeneration der Zwanzigjährigen steht den Entwicklungen bei B92 kritisch gegenüber. Viele schwärmen von SKC, dem alternativen Radiosender vom Studenten-Kulturzentrum. «B92 unterscheidet sich kaum mehr von Pink TV», ist zu hören. Doch immer wird nachgeschoben, dass ohne B92 bis heute kulturell und politisch weniger laufen würde. Viele Jugendliche hören heute Rap. Ein paar wenige produzieren ihn. «In den Kriegsjahren hatten wir Rapper einen schweren Stand», erinnert sich der 27-jährige Djordje Jovanovic von Beogradski Sindikat: «Die alternativen Rockgruppen predigten in ihren Liedern, man solle in Belgrad ausharren, die Zeiten würden besser. Wir hingegen rappten über die Schandtaten von Milosevic.» Nach seinem Sturz machte Beogradski Sindikat mit der Hitsingle «Beef» Furore. Das Rapper-Kollektiv zählte Politiker aller Lager auf, die krumme Geschäfte gemacht hatten. Es wurde daraufhin gemeinsam mit dem damaligen jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica in eine TV-Talkshow eingeladen. Seither geniesst Beogradski Sindikat Kultstatus.

Vielversprechende Rapgruppen wie Skabo, Ajs Nigrutin, Bad Copy und Bitcharke Na Travi politisieren lieber indirekt. Auf Serbisch – «Fuck English» – parodieren sie die Mafia- und Porno-Gesellschaft des Turbo-Folks und freuen sich – so Timbe von Bad Copy -, «wenn die Neureichen in ihren Villen unsere Refrains mitsingen, ohne zu merken, dass wir sie verarschen.» Wenn die Rapperinnen Una und Marija vom Duo Bitcharke Na Travi öfter von männlichen und weiblichen Genitalien als von Politik rappen, lehnen sie sich nicht an die kommerzielle Hip-Hop-Kultur der USA an, sondern kommentieren lokale gesellschaftliche Realitäten. «Unsere verbalen Attacken zielen auf die Sponsoren-Chicks des Turbo-Folks, die mit den alten Neureichen alles tun», grinst die 21-jährige Una: «Wir hinterfragen Geschlechterrollen und markieren die starke Frau.»

Transnationale Netzwerke

Konkrete Ziele verfolgen auch Andreja Milkic und Sandra Pajovic vom etwas kommerzielleren Rap-Label Bassivity Music: «Wir wollen Hip-Hop in den Mainstream bringen», erklären sie selbstbewusst. Einfach ist das nicht: Die grossen TV-Stationen spielen nur die Videoclips ihrer eigenen Labels – ausser man zahlt oder hat Beziehungen. Und die neu ansässigen internationalen Majorlabels kämpfen zurzeit vor allem verbissen dafür, dass das neue serbische Antipiraterie-Gesetz seine Wirkung entfaltet. «Die Piraten sind derweil ins Internet abgewandert», grinst der Musikjournalist Dragan Kremer. «Mindestens ein Drittel aller Produkte findet noch immer auf Raubkopien den Weg zum Käufer.» Für Bassivity Music bleibt der Alleingang: «Wir lassen unsere Konzerte auch mal von McDonalds oder Reebok sponsern, laden unsere Software gratis aus dem Netz herunter und setzen auf überregionale Kontakte», erklären die Label-Betreiber. MC Shorty, V.I.P und Marcello, drei der hauseigenen Shootingstars, treten denn auch mal im näheren Ausland, etwa in Kroatien, auf: «Nationalismus interessiert hier niemanden», sagen sie einhellig. «Wir wollen Teil dieser Welt sein. Wir wollen ohne Visum ins Ausland reisen.»

MC Shorty (photo: Martin Bichsel).

Dass Kulturexport und -austausch in den Belgrader Musikszenen mehr sind als leere Worte, erfahren wir immer wieder. So danken zum Beispiel Darkwood Dub den Kassettenpiraten, die die kroatische Fangemeinde in den Kriegsjahren immer mit den neuesten Songs der Band versorgt hätten. Und Relja Bobic von Belgradyard Sound System sowie Ksenija Stevanovic setzen unter anderem mit der serbisch-kroatischen Webplattform «Explicit Music» auf interkulturellen Dialog via Internet. Zum jährlichen Dispatch-Festival lädt Bobic Elektronikkünstler aus dem nahen und fernen Ausland nach Belgrad ein und kooperiert mit internationalen Kulturinstitutionen. Selbst das Ministerium für Kultur habe für einmal eine Defizitgarantie gesprochen, erzählt Bobic, auf das versprochene Geld habe er dann aber fast ein Jahr warten müssen.

Ethno-Boom und Balkan-Klischees

Ein Konzert im Kino Akademija 28; gemeinsam mit einem Belgrader Intellektuellenpublikum wohnen wir der Darbietung des Roma-Ensembles Kal bei. Die sieben gut gekleideten Roma-Herren, die ständig gefilmt und fotografiert werden, lassen mit wenigen Akkorden eine eingängige Musik erklingen. Eine Bauchtänzerin ohne Bauch wirbelt über die Bühne. Die Zuschauer freuen sich – bis sie zum Mittanzen aufgefordert werden. Die erste Reihe verweigert sich: Das Publikum will nicht dazugehören; es konsumiert. Bereits den Hauptstädtern mutet der ländliche Balkan exotisch an.

Die grössten Exportchancen werden zurzeit der serbischen Ethno- und Roma-Musik zugeschrieben. «Zum Glück hat sich der Turbo-Folk nie bei der traditionellen serbischen Volksmusik bedient, sondern vor allem Elemente des volkstümlichen Schlagers in ein poppiges Gewand verpackt, der ab dem Zweiten Weltkrieg in Jugoslawien populär geworden war», freut sich die Musikethnologin Iva Nenic: «Unsere Volksmusik wird so eigentlich nicht als nationalistisches Instrument der Politik betrachtet. Seit kurzem ist es in Belgrad sogar schick, Volksmusik zu hören. Jedoch eher ihre zugänglicheren Varianten.» Mitverantwortlich für den Boom ist Bojan Djordjevic, der für B92 die beiden CDs Serbia: Sounds Global zusammengestellt hat und zu seinem «Ring Ring»-Festival» jährlich Volksmusik-Ensembles aus aller Welt nach Belgrad einlädt. Dank seinen guten Kontakten hat er auch das Boban Markovic Orkestar in die internationale Weltmusik-Szene einschleusen können. Einfach war das nicht: «Die grossen Labels diktieren, was auf den Markt kommen soll.»

Roma-Musiker, etwa der legendäre Olah Vince, geben sich kämpferisch: «Es wird Zeit, dass wir selber ins Rampenlicht treten – nicht immer Musiker wie Goran Bregovic, die unsere Musik stehlen und mit ihr mächtig Kohle machen.» Bregovic habe überhaupt noch nie mit Roma-Musikern gespielt, obwohl er dies immer wieder behaupte, meint Vince. Sein Fazit: «Die Serben mögen uns nicht. Ich sehe für uns Roma für die nächsten tausend Jahre schwarz. Mit unserer Musik können wir uns höchstens im Ausland durchsetzen.»

Vince kämpft seit Jahren für die Rechte der Roma. Er hat bisher aber vergeblich versucht, eine Roma-Radiostation zu gründen. In Workshops will er Roma-Musikern nun beibringen, die eigene Musik weiterzuentwickeln und nicht bloss die alten Hits zu interpretieren. «Selbst die Roma denken, dass ich spinne», lacht er. Immer wieder kommen sarkastische Witze über seine Lippen.

Auch für den neuesten Balkan-Disco-Trend in Europa mag sich Vince nicht erwärmen: Seit einigen Monaten vermengen europäische DJ den Sound ost- und südosteuropäischer Roma-Kapellen mit elektronischen Beats – sie stehen bei spezialisierten Weltmusiklabels Schlange, um die Remixrechte für östliche Roma-Musik zu erwerben. «Techno kombiniert mit Roma-Musik? Das geht doch nicht. Unsere Musik ist voll warmer Lebensfreude. Techno hingegen ist kalt», findet Vince und vermutet, dass gewiefte Produzenten wieder einmal viel Geld mit Roma-Musik verdienen. – Auch die alternativen Musikszenen finden den Ethno-Boom nicht nur positiv: Mit diesen Exporten würden die alten Klischees aus den Kusturica-Filmen aufgewärmt, fürchten einige. Andere meinen, dass sich die neuen «Ethno-Enthusiasten» bloss nach den Wünschen und Geldern der internationalen Kulturförderer richteten. Denn eigentlich würden viele junge Musiker Belgrads gerne der Welt zeigen, dass Serbien mehr zu bieten habe als Nationalismus, Schmalz-Pop und Ethno-Musik.

Letzteres jedenfalls ist unbestritten, auch in der Stadt, die sonst nicht einfach zu fassen ist. Die Belgrader Musikszene ist vielseitig, und sie hat Potenzial. Man darf auf einen musikalischen Frühling hoffen.

Published on August 01, 2004

Last updated on January 16, 2020

Biography

Thomas Burkhalter is an ethnomusicologist and cultural producer from Switzerland. He is the founder and director of Norient – Performing Music Research (norient.com), and artistic director of the Norient Film Festival. Recent main projects include the documentary film «Contradict» (2019), the AV/theatre/dance performance «Clash of Gods» (2018), and the re-launch of Norient (2019). He published the book «Local Music Scenes and Globalization: Transnational Platforms in Beirut» (Routledge), and co-edited «The Arab Avant Garde: Musical Innovation in the Middle East» (Wesleyan University Press).
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