photo: Matthew F Smith

Beatforscher an der Arbeit

Los Angeles ist das neue New York – zumindest, wenn es um elektronische Musik geht. In Looking For The Perfect Beat nimmt Regisseur Matthew F. Smith das Publikum mit auf eine Stadttour. Sehenswert sind die Musiker und Musikerinnen, die in ihren Heimstudios an neuen Beats tüfteln. Kreativ, konzentriert und sympathisch-nerdig.

Seit einigen Jahren ist eine Wanderbewegung zu beobachten: Musikerinnen und Musiker verlassen New York City – insbesondere den mittlerweile fertig gentrifizierten Stadtteil Williamsburg – und ziehen nach Los Angeles. Denn es hat sich herumgesprochen, dass die Musik in den Brachen dieser zerklüfteten kalifornischen Stadt viel weniger durchformatiert ist als im Big Apple.

Eine Veranstaltung, die zum Abenteuergeist-Image von L.A. beigetragen hat, ist die wöchentliche Clubnacht Low End Theory. Beatforscher wie Steven Ellison alias Flying Lotus haben hier ihre meist instrumentalen Tracks ausgetestet und so eine eigenwillige Sound-Sprache entwickelt.

Stippvisite im Soundlabor

Der Kosmiker Flying Lotus ist die zentrale Figur von Looking For The Perfect Beat – und das, obwohl er nie auftritt. Er ist aber stets präsent, etwa in Form eines Tracks aus seinen Anfangszeiten, der ganz zu Beginn des Films zu hören ist, als die Sonne über Los Angeles im Zeitraffer aufgeht.

Ein neuer Tag startet da für die Beatmaker der Stadt, die in ihren Heimstudios an neuen Formeln und Formen werkeln. Die Kamera sucht 14 dieser Musikerinnen und Musiker auf und fängt ein, wie sie konzentriert bei der Sache sind: Künstler wie Ras G, der kiffend seine Dub-Phantasien umsetzt, Astronautica, die Musik zur Dämmerstunde programmiert, oder The Gaslamp Killer, der mit allerlei analogem Instrumentarium sein psychedelisches Beat-Gebräu anmischt.

 

Trailer

 

Popkultur-Artefakte und Kläffer

Überhaupt ist das Analoge, das Fassbare und Präsente der heimliche Star in Matthew F. Smiths Film. Ausnahmslos sind hier nicht einfach nur Mac-Book-Frickler zu sehen, sondern Leute, die ihre Heimstudios mit einer Vielzahl an Instrumenten und popkulturellen Artefakten vollgestopft haben: Objekte wie antike Gamekonsolen, Poster des Afrofuturisten Sun Ra oder ein Baseballcap der Hardcore-Band Suicidal Tendencies, das im Studio des aufregenden Gitarristen und Flying-Lotus-Mitarbeiters Thundercat zu finden ist. Auch lümmeln einige Kläffer in den Studios herum – sie sind die besten Freunde der einsamen Beatforscher.

Kommentarlos schauen die Macher von Looking For The Perfect Beat den Musikerinnen und Musiker bei ihrer Arbeit zu, notieren den Stadtteil und die Uhrzeit, kontextualisieren aber nichts weiter. So entsteht ein fast wortloser Film. Nur MC Nocando hört man kurz sprechen: als er im Radiostudio über die Szene Auskunft gibt, die sich um die Clubnacht Low End Theory gebildet hat. Als die Nacht schliesslich über L.A. hereinbricht, endet die Stadttour – und geht dorthin, wo die Musik zum Leben erweckt wird: in den tanzenden Club.

Published on January 12, 2015

Last updated on January 15, 2020

Biography

Benedikt Sartorius ist Musikjournalist und Mitorganisator der Musikfilmreihe «Song & Dance Men».

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